Jod-131 (chemisches Symbol: ¹³¹I) ist ein radioaktives Isotop des chemischen Elements Jod. Der Atomkern enthält 53 Protonen und 78 Neutronen und besitzt damit die Massenzahl 131. Es handelt sich um ein künstlich entstehendes Radionuklid. Es kommt in der Umwelt nur in Spuren vor, im Wesentlichen als anthropogenes Spaltprodukt (Reaktoren, Tests, Unfälle, nukleare Explosionen). Außerdem wird I 131 auch gezielt in Reaktoren für medizinische Zwecke in der Diagnostik der Schilddrüse produziert.
Eine zentrale Eigenschaft von Jod-131 ist seine relativ kurze physikalische Halbwertszeit von etwa 8 Tagen. Das bedeutet, dass sich die Menge des Isotops durch radioaktiven Zerfall innerhalb von acht Tagen auf die Hälfte reduziert.
Beim Zerfall entsteht hauptsächlich Xenon-131, wobei Beta-Strahlung und Gammastrahlung freigesetzt werden.
Jod-131 entsteht hauptsächlich als Spaltprodukt bei der Kernspaltung schwerer Atomkerne, insbesondere von Uran-235 oder Plutonium-239. Wenn ein solcher Kern gespalten wird, entstehen mehrere leichtere Atomkerne sowie zusätzliche Neutronen. Unter den vielen möglichen Spaltprodukten befindet sich auch Jod-131.
Ein Teil der Spaltprodukte liegt zunächst in instabilen Vorstufen vor, die über mehrere Zerfallsschritte zu Jod-131 werden können. In einem laufenden Reaktor entsteht daher kontinuierlich eine gewisse Menge dieses Isotops. Der Anteil von Jod-131 an den Spaltprodukten liegt typischerweise bei einigen Prozent, bei U-235 liegt der kumulative Fissionsertrag bei ca. 3%.
Unter normalen Betriebsbedingungen bleiben Spaltprodukte im Brennstoff eingeschlossen. Kommt es jedoch zu schweren Störungen, kann Jod-131 freigesetzt werden. Typische Szenarien sind:
Bei solchen Ereignissen gelangen flüchtige Spaltprodukte in die Umgebung. Jod gehört zu den relativ flüchtigen Elementen, sodass seine radioaktiven Isotope besonders leicht freigesetzt werden können.
Bei bekannten Reaktorunfällen wie Tschernobyl (1986) und Fukushima (2011) war Jod-131 eines der wichtigsten kurzlebigen Radionuklide, die in die Umwelt gelangten.
Nach einer Freisetzung kann Jod-131 über verschiedene Wege verbreitet werden:
Ein bekannter Pfad ist die Aufnahme über Gras → Milch von Kühen → menschliche Ernährung, wodurch radioaktives Jod in den Körper gelangen kann.
Jod-131 zerfällt hauptsächlich über Beta-Minus-Zerfall (β⁻-Zerfall). Dabei wird im Atomkern ein Neutron in ein Proton umgewandelt. Gleichzeitig werden ein Elektron (Beta-Teilchen) und ein Antineutrino freigesetzt.
Der Zerfall kann vereinfacht dargestellt werden als:
53131I → 54131Xe + e− + νe + γ
Dabei entsteht das stabile oder langlebige Xenon-131. Zusätzlich zur Beta-Strahlung werden häufig Gammastrahlen ausgesendet, die eine größere Reichweite besitzen.
Die Halbwertszeit beträgt etwa 8,02 Tage.
Das bedeutet beispielsweise:
Durch diesen relativ schnellen Zerfall ist Jod-131 besonders in den ersten Wochen nach einem nuklearen Ereignis relevant. Danach nimmt seine Aktivität stark ab.
Chemisch verhält sich Jod-131 praktisch identisch mit dem stabilen Element Jod, da sich die Elektronenhülle nicht unterscheidet.
Da der menschliche Körper nicht zwischen stabilem und radioaktivem Jod unterscheiden kann, wird Jod-131 biochemisch genauso verarbeitet wie gewöhnliches Jod.
In der Umwelt kann Jod-131 in verschiedenen chemischen Formen auftreten, beispielsweise:
Viele dieser Formen sind relativ flüchtig oder gut löslich, was seine Verbreitung in Luft und Wasser erleichtert.
Jod ist ein essentielles Spurenelement, das der Körper für die Herstellung der Schilddrüsenhormone benötigt. Daher besitzt die Schilddrüse spezielle Transportmechanismen, um Jod aus dem Blut aufzunehmen.
Da der Körper radioaktives Jod nicht unterscheiden kann, wird Jod-131 ebenfalls in der Schilddrüse gespeichert. Die effektive biologische Halbwertszeit in der Schilddrüse wird in Modellen häufig mit etwa 80 Tagen angesetzt, Messungen bei Erwachsenen ergeben durchschnittlich Werte um 60 Tage mit großer individueller Streuung.
Die Beta-Strahlung ist besonders problematisch, wenn Jod-131 im Körper gespeichert ist, da sie direkt das umliegende Gewebe bestrahlt.
In der Schilddrüse kann dies langfristig zu Schilddrüsenkrebs oder anderen Funktionsstörungen führen. Kinder sind besonders empfindlich, da ihre Schilddrüse stärker aktiv ist und schneller Jod aufnimmt.
Die wichtigste Schutzmaßnahme ist die Einnahme von Kaliumiodid-Tabletten (KI). Dabei wird die Schilddrüse mit stabilem Jod gesättigt. Dadurch nimmt sie weniger oder kein radioaktives Jod aus der Umwelt auf. Diese Maßnahme ist jedoch nur wirksam, wenn sie kurz vor oder unmittelbar nach einer Exposition erfolgt.
Jod 131 ist ein radioaktives Isotop des Elements Jod, das beim Zerfall Beta- und Gammastrahlung abgibt und überwiegend als Spaltprodukt in Kernreaktoren entsteht.
Jod 131 wird medizinisch vor allem zur Diagnose und Behandlung von Erkrankungen der Schilddrüse verwendet.
Die physikalische Halbwertszeit beträgt etwa 8 Tage; nach etwa 80 Tagen ist nur noch ein sehr kleiner Anteil der ursprünglichen Aktivität vorhanden.
Es entsteht als Spaltprodukt in Kernkraftwerken und kann bei schweren Reaktorunfällen freigesetzt werden.
Die Schilddrüse nimmt Jod aktiv auf und kann daher auch radioaktives Jod einlagern.
Es entsteht Beta- und Gammastrahlung.
Eine erhöhte Strahlenbelastung der Schilddrüse kann langfristig das Krebsrisiko erhöhen.
Über kontaminierte Luft, Lebensmittel oder Trinkwasser.
Aufenthalt in Gebäuden, Vermeidung kontaminierter Nahrung und ggf. Einnahme von Kaliumiodid.
Sie sättigen die Schilddrüse mit stabilem Jod und reduzieren so die Aufnahme von radioaktivem Jod.
Beim Beta-Minus-Zerfall wandelt sich im Atomkern ein Neutron in ein Proton um. Dabei entstehen ein Elektron (β⁻-Teilchen), ein Antineutrino und häufig zusätzlich Gammastrahlung.